Konrad Zuse besucht im September 1995 die Computer-Ausstellung im LAUTECH Hoyerswerda.

Begegnung mit Konrad Zuse 1995

im LAUTECH Hoyerswerda

(Fotos: Horst Tschiedel)

Hans-Jürgen Pröhl, Vorstandsmitglied des Konrad Zuse Forum e.V., schildert seine Eindrücke aus einer Begegnung mit Konrad Zuse anlässlich seines Aufenthaltes im September 1995 in Hoyerswerda.

Zur Ehren des hohen Besuches wurde im Lausitzer Technologiezentrum (LAUTECH) eine Computerausstellung aufgebaut, die zum Vorläufer des Konrad-Zuse-Computermuseums ZCOM wurde.


Meine Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen

Alles hat eine Vorgeschichte. So auch meine Begegnung mit einem der größten deutschen Erfinder, dem Vater des Computers – Konrad Zuse.
Wenige Monate, nachdem ich mich bereiterklärt hatte, aktiv am Vereinsleben der SENAK teilzunehmen, erhielt ich Ende Mai 1995 vom damaligen Vereinsvorsitzenden Dieter Dunkel eine Einladung zu einem Gespräch. Thema des Gespräches war der bevorstehende Besuch von Konrad Zuse, seine Auszeichnung zum Ehrenbürger der Stadt Hoyerswerda und in diesem Zusammenhang die Mithilfe des Vereines bei den Besuchsvorbereitungen.

Die Idee, Gestaltung einer Ausstellung mit vorhandener Alt-PC-Technik, sollte Realität werden. Nach kurzer Besprechung erklärte ich mich bereit, zusammen mit Horst Tschiedel diese Aufgabe zu übernehmen. Das Ausstellungskonzept, das vorerst erarbeitet wurde, beschränkte sich auf einen Raum mit einer Ausstellungsfläche von 36 qm, den uns Dr. Rentsch im Lausitzer Technologiezentrum zur Verfügung stellte. Das kann für eine Ausstellung viel Platz bedeuten. Aber 18 museumsreife PC-Systeme als Exponate zu präsentieren, dazu die Entwicklungsgeschichte des Computers in Wort und Bild sowie die überwältigende Lebensleistung von Konrad Zuse auf den zur Verfügung stehenden Wandflächen zu dokumentieren, erforderte dennoch ein hohes Maß an Einfallsreichtum. Letztlich ist es uns mit Unterstützung von zwei Diplomanden dennoch gelungen. Das Fundament für das heutige Computermuseum war nach 10-wöchiger ehrenamtlicher Tätigkeit gelegt.

Aber zurück zu Zuse. Wer war Konrad Zuse? Zu seiner Person und zu seinem Schaffen war uns zu damaliger Zeit sehr wenig bekannt. Zu wenig, um hierauf eine Ausstellung aufzubauen. Um ihn und sein Lebenswerk in einer ersten Ausstellungsversion entsprechend in „Szene“ zu setzen, beschafften wir uns u.a. auch seine Autobiographie „Der Computer-Mein Lebenswerk“, analysierten den Inhalt und entwickelten hieraus entsprechende Vorstellungen für die Gestaltung der Ausstellung.

Faszinierend festzustellen, was Konrad Zuse mit seiner ausgeprägt vielseitigen Begabung in seinem Leben geleistet hat. Er wurde als ein Mensch mit ungeheuerer Vorstellungskraft für komplette mechanische Konstruktionen beschrieben. Er war der Schöpfer des weltweit ersten programmgesteuerten und freiprogrammierbaren Rechners in binärer Gleitpunktrechnung, der schon im Jahre 1941 alle wichtigen Merkmale eines Computers besaß und funktionierte. Und er besaß die Fähigkeit, die abstrakten Gesetzmäßigkeiten mathematischer Logik geschickt zur Konstruktion von Rechnern zu nutzen.

Seine wichtigsten Grundideen waren:

  • die Nutzung des dualen Zahlensystems, verknüpft mit der Booleschen Algebra und – schon verwirklicht in seinen Maschinen:
  • die halblogarithmische Zahlendarstellung, auch schon früh in seinen Maschinen umgesetzt und heute Grundlage der Gleitkomma-Arithmetik in Computern,
  • der Plakalkül als universell einsetzbare algorithmische Sprache und Vorgänger heutiger formaler Sprachen und höherer Programmiersprachen.

Er war aber auch ein erfolgreicher Unternehmer, der mit der Zuse KG schon 1949 eine sehr innovative Computerfirma aufgebaut hat, die bis 1969 ca. 250 Rechenmaschinen im Wert von über 100 Mill. DM für vielfälltige Vernwendungen in Wissenschaft und Industrie auslieferte und die bis zu 1200 Beschäftigte zählte. Und er war passionierter Maler. Über 500 Bilder zeugen auch von seinen künstlerischen Fähigkeiten. Für seine Lebensleistungen erhielt Konrad Zuse zahlreiche nationale und internationale Ehrungen, Preise und Würdigungen. Heute führen öffentliche Einrichtungen und Straßen seinen Namen.

Dann war es endlich soweit, der 19.09.1995 war erreicht. Buchstäblich bis zur letzten Minute wurde an der Ausstellung gearbeitet. Dr. Rentsch nahm den hohen Ehrengast in Empfang und ich erwartete Konrad Zuse mit gespannter Hochachtung in unserer Ausstellung.
Konrad Zuse, 85-jährig und schon vom Alter gezeichnet, betrat als erster den Ausstellungsraum, im Gefolge einige seiner treuesten Weggefährten und Honoratioren der Stadt Hoyerswerda.


Konrad Zuse schreibt in das Gästebuch der Ausstellung:
„Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“ (Goethe, Faust)

Nach der offiziellen Begrüßung durch Herrn Dr. Rentsch, begann ich mit der Vorstellung der einzelnen Exponate in der Ausstellung. Konrad Zuse hörte anfangs zu, unterbrach aber bald meine Vorstellung mit der Bemerkung, dass er von all dieser Technik nicht mehr viel verstehe. Ich war überrascht über diese schlichte Direktheit. Aber wiederum auch wieder verständlich, denn die jüngste Computergeneration ist technologisch nicht vergleichbar mit der Großrechentechnik aus der „Zuse–Ära“. Darum lässt sich auch nur erahnen, was die „Computerrevolution“, an deren Anfang und wichtigsten Wegkreuzungen der Name Zuse stand, für die Zukunft bedeuten kann.

Für mich bleibt die Begegnung mit Konrad Zuse ein unvergessliches Erlebnis – Respekt vor diesem Genie!

Hans-Jürgen Pröhl

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